Das Sperrmauermodell um 1907

Durch die zunehmende Industrialisierung nahm auch der Transport von Waren auf den Schifffahrtswegen zu. Die Eder fließt vor Kassel in die Fulda und diese bildet mit der Werra zusammen ab Hannovers-Münden die Weser.
Der Weser wurde durch den Bau des Mittellandkanals viel Wasser entzogen, was dazu führte, dass sie vor allem in den trockeneren Sommermonaten nicht mehr schiffbar war. Daher suchte der preußische Staat nach Möglichkeiten, im Hinterland der Quellflüsse der Weser möglichst große Staudämme zu errichten, um nach Bedarf Wasser an die Weser und den Mittellandkanal abgeben zu können und sie so das ganze Jahr über schiffbar zu halten. 

Aufgrund seiner topographisch günstigen Lage (hier konnte die größtmögliche Wassermenge von 200 Mio m³ Wasser aufgestaut werden) erschien das Edertal in diesem Bereich sehr geeignet. Gleichzeitig sollte bei der Wasserabgabe Strom erzeugt und dazu noch - als weiterer Nebeneffekt - das alljährliche Hochwasser der Eder eingedämmt werden. 

Aber Preußen hatte nur einen Teil der Verwaltung Waldecks in Händen, daher konnte man nicht einfach über das Gebiet verfügen. Im Jahr 1905 trafen mehrere Vertreter der preußischen Ministerien und Regierung am See ein, um das geplante Projekt zu erörtern. Bürgermeister und Gemeinderatsmitglieder der betroffenen Ortschaften wurden zu einer Besprechung auf Schloss Waldeck geladen, zu der sie aber nur sehr widerwillig erschienen, denn sie vertraten ja die ca. 900 betroffenen Bewohner, von denen keiner seine Heimat freiwillig gern verlassen wollte. 

Kurz darauf war der Bau jedoch bereits beschlossene Sache; selbst eine Petition der Dörfer Berich und Bringhausen gegen den Talsperrenbau änderte daran nichts mehr. Im August 1906 verabschiedete der Waldeckische Landtag ein eigens für den Talsperrenbau entworfenes Enteignungsgesetz. Dieses Enteignungsgesetz beinhaltete zwar eine für damalige Zeiten gerechte und großzügige Entschädigung der Grund- und Hausbesitzer, war aber für die heimatlos gewordenen Dorfbewohner trotzdem kein rechter Trost.

Vor dem Bau der eigentlichen Sperrmauer wurde an der Bericher Hütte ein Modell im Maßstab 1:40 gebaut. An diesem Modell wurden die diversen Einrichtungen zum Ablassen des Wassers getestet. Zu diesem Zweck wurde Wasser aus dem alten Mühlgraben der ehemaligen Hütte entnommen.