Das alte Edertal um 1900

Betroffene Orte und Gebiete
So groß und unbestritten der wirtschaftliche Nutzen des Ederstausees war und ist, so entscheidend war die Überflutung des Tals für die betroffenen Bewohner. Etwa 900 Menschen mit 155 Gehöften verloren durch den Bau der Edertalsperre ihre Heimat. Drei Dörfer – das preußische Dorf Asel und die waldeckischen Dörfer Berich und Bringhausen und drei Gehöfte – die Stollenmühle, Gut Vornhagen und die Bericher Hütte -, mussten vollständig geräumt werden.
Herzhausen büßte einen Teil seiner Gemarkungen ein und das südlich der Eder liegende Harbshausen verlor fruchtbare Wiesen und Äcker.
In Nieder-Werbe mussten die Gehöfte abgebrochen und an höher gelegenen Plätzen wieder aufgebaut werden. Auch Hemfurth verlor einen großen Teil seiner Gemarkung oberhalb der Sperrmauer.

Enteignung und Entschädigung
Die Meinungen der von der Umsiedlung betroffenen Bürger waren geteilt und führten über Jahre hinweg zu emotional geführten Diskussionen.
Für viele der älteren Bewohner, die nicht weit über die heimatlichen Flure hinausgekommen waren, war der Gedanke, Heim und Hof zu verlassen und einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen, äußerst beängstigend.
Die jüngere Generation akzeptierte die Situation, die ohnehin unabänderlich schien, offenbar schneller. Man sah auch die Schwierigkeit, die das alljährliche Winterhochwasser und die Überschwemmungen für die Dörfer mit sich brachten. Andererseits waren die geplanten Entschädigungen großzügig bemessen und erlaubten es auch wirtschaftlich schlechter gestellten Bewohnern sich an anderen Orten Besitz zu erwerben.

Suche nach Siedlungsmöglichkeiten
Die alten Dorfbewohner hatten den Wunsch sich wieder gemeinsam an neuer Stelle niederzulassen. Außerhalb des Stausees verblieben größere zusammenhängende Acker- und Wiesenflächen, die sich für eine Wiederansiedlung anboten.
Den noch nicht sesshaft gewordenen größeren Landwirten von Berich bot die Domänenkammer von Waldeck die Domänen Netze oder Büllinghausen zur Siedlung an. Nach Abwägung der Vor- und Nachteile entschied man sich für das entfernte Büllinghausen im Kreis Twiste zwischen Arolsen und Volkmarsen.
Nach längeren Verhandlungen erklärten sich die verbliebenen 20 Bringhäuser Familien bereit, sich auf dem Daudenberg, oberhalb des alten Dorfes, wiederanzusiedeln. Weil der Boden hier im Gegensatz zu dem Land im Edertal nicht besonders fruchtbar war, kamen in erster Linie Waldarbeiter- und Tageslöhnerfamilien zusammen. Von den ursprünglich 30 Aseler Familien blieben nur 6 Familien zusammen, die auf der Gemarkung Asels nördlich der Eder ein neues Asel gründen wollten. Ihnen schloss sich eine Familie aus Bringhausen an.

Alt-Asel

Alt Asel
Alt-Asel

Vor dem Sperrmauerbau gab es hier 30 Gehöfte und 175 Einwohner, das Dorf hatte eine Gemarkung von 1123 Hektar. Ein kleiner Teil der Bevölkerung siedelte sich in Neu-Asel wieder an, andere fanden in Vöhl und umliegenden landwirtschaftlich ertragreicheren Gegenden eine neue Heimat. Asel-Süd, das frühere Gut Asel, wurde eine Siedlungsstelle.

Alt-Bringhausen

Alt-Bringhausen
Alt-Bringhausen

Die Kirche von Bringhausen wurde vor der Flutung abgetragen und in Neu-Bringhausen verkleinert wieder aufgebaut. Bei niedrigem Wasserstand sieht man Teile der 1897 erbauten Ederbrücke. Der alte Friedhof von Bringhausen wurde mit einer Betondecke versehen und ist bei entsprechendem Wasserstand zu begehen.

Berich

Berich
Berich

Etwa 3 Kilometer vom Schloss Waldeck entfernt lag auf einem schmalen Bergrand das Örtchen Berich. Vor dem Staumauerbau lebten hier 134 Menschen, 26 Gehöfte und 582 Hektar Land wurden überstaut. Ein Förderverein hat es sich zur Aufgabe gestellt, die Dorfstelle des ehemaligen Ederdorfes Berich weitgehend zu erhalten und instand zu setzen.
» Mehr Infos

Gut Vornhagen

Gut Vornhagen
Gut Vornhagen

Am Fuße des Schlossberges lag das Gut Vornhagen. Es gehörte zu dem einen halben Kilometer entfernten Dorf Berich. Vornhagen war ehemals eine selbstständige Meierei, wurde später aber mit der Domäne Waldeck verpachtet. Unterhalb der Stollmühle befand sich ehemals der Vornhagener Hammer, der bis zum Jahre 1819 in Betrieb war.